Veröffentlicht am 7. Februar 2019 von Redaktion

Best Practice: Quartierszentrum Mülheim-Heißen

„Pflege zu Hause Behmenburg“: dauerhafte Sicherstellung qualitativ hochwertiger, wohnortnaher Gesundheitsversorgung und Pflege für alle Menschen

Als zentrales Ziel des Themenforums Potenziale der Metropolregion für Gesundheit und Pflege nutzen hat die Ruhr-Konferenz unlängst „die dauerhafte Sicherstellung qualitativ hochwertiger und wohnortnaher Gesundheitsversorgung und Pflege für alle Menschen“ formuliert. Der private ambulante Pflegedienst „Pflege Behmenburg“, Mitglied der neuen Ruhrgebietskonferenz Pflege, befürwortet diesen Ansatz mit Nachdruck und trägt zukünftig u.a. durch ein neues Projekt in Mülheim an der Ruhr zu einer effektiven Umsetzung bei: das Quartierszentrum im Stadtteil Heißen.

Das gesamte Projekt fußt auf der Überzeugung, dass jegliche Form von Gesundheitsversorgung und Pflege letztlich darauf abzielen muss, hilfe- oder pflegebedürftigen Menschen so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben im gewohnten Umfeld zu sichern. Voraussetzung dafür ist ein Stadtviertel, das seinen Bewohnern die Möglichkeit gibt, in den vertrauten nachbarschaftlichen und infrastrukturellen Netzen eingebunden zu bleiben und partizipieren zu können – auch und gerade für den Fall, dass Krankheit, Behinderung oder Alter selbstständiges Leben erschweren.

Ein solches Quartier sollte daher, um einen qualitativ hochwertigen Wohn- und Lebensraum für alle Bevölkerungsgruppen bieten zu können, intergenerativ und interkulturell, sozial integrativ, barrierefrei wie auch ökologisch nachhaltig gestaltet sein. In diesem Zusammenhang fungiert das Quartierszentrum vor allem auch als Knotenpunkt, als zentrale wohnortnahe Anlaufstelle und Begegnungsstätte, in der die verschiedenen nachbarschaftlichen und infrastrukturellen Strukturen gebündelt, koordiniert und so verfügbar gemacht werden, dass ein bedarfsorientiertes Betreuungs- und Veranstaltungsangebot entsteht.

Das Quartier in Mülheim-Heißen

Das Quartier befindet sich in unmittelbarer Nähe zum traditionellen Ortskern rund um den Heißener Marktplatz, der ein stabiles Zentrum für Begegnung, für bedarfsgerechtes Zusammenleben und -wohnen bietet. Es umfasst u.a. 756 Wohneinheiten, die zum Mülheimer Wohnungsbau (MWB) gehören, einem der Kooperationspartner im Projekt. Die Infrastruktur vor Ort beinhaltet Facharztpraxen, Supermärkte, einen Drogeriemarkt, eine Sparkasse sowie eine Poststelle, ferner Gastronomiebetriebe und Fachgeschäfte. Auch die Verkehrsanbindung kann als sehr gut bezeichnet werden. Vorhanden sind außerdem Kirchen der evangelischen und der katholischen Gemeinde.

Das Betreuungs- und Beratungskonzept

Das vom Quartierszentrum ausgehende Betreuungs- und Beratungsangebot nutzt bereits etablierte Strukturen und baut neue geeignete Strukturen auf, um Quartiersbewohnern einen Verbleib in der eigenen Häuslichkeit zu ermöglichen. Das Angebot greift dazu auf vorhandene Ressourcen zurück, insbesondere in Form von ehrenamtlicher Arbeit und Nachbarschaftshilfe, und baut diese zugleich weiter auf. Wichtigste Anlaufstelle innerhalb des Quartierszentrums ist das Betreuungsbüro, das in Person eines Sozialarbeiters sowie eines Sozialhelfers/FSLlers/Bufdis vielfältige, am individuellen Bedarf orientierte Betreuungs-, Beratungs- und Vermittlungsleistungen anbietet. So können während der Geschäftszeiten telefonisch einmalige Hilfestellungen in der eigenen häuslichen Umgebung (Gehhilfe unerreichbar, Jalousie klemmt etc.) abgerufen werden. Auch übernimmt das Betreuungsbüro auf Wunsch die Vermittlung von Pflege, Mahlzeitendiensten, Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie, Fußpflege, Friseurdienstleistungen, hauswirtschaftlicher Versorgung, ehrenamtlichen Besuchsdiensten etc. Darüber hinaus beraten die sozialarbeiterischen Fachkräfte gezielt zum Thema Pflege und Alltagsbewältigung und helfen dank ihrer Expertise über bürokratische Hürden hinweg.

Quartiersorientierte Netzwerkarbeit

Neben der bedarfsgerechten Betreuung und Beratung bildet die quartiersorientierte Vernetzung das zweite große Tätigkeitsfeld der Sozialarbeit im Quartierszentrum. So organisiert und moderiert das Betreuungsbüro zum einen regelmäßige Mietertreffen, die dem Aufbau nachbarschaftlicher Kontakte dienen und den Quartiersbewohnern den Raum geben, Wünsche, Bedürfnisse und Beschwerden zu äußern. Die Sozialarbeiter haben hier insbesondere auch den Auftrag, die Bewohner zu aktivieren und zu einer selbstständigen Umsetzung ihrer Ideen zu animieren.

Zum anderen ermittelt das Betreuungsbüro die vorhandenen ehrenamtlichen Strukturen (Vereine, aktive Nachbarschaften, Kirchengemeinden, Schulen), vernetzt sich mit diesen und macht so wichtige Ansprechpartner bekannt, informelle Verbindungen sichtbar und ermöglicht vor allem ein unkompliziertes Verknüpfen von Bewohnerbedürfnissen mit adäquaten Angeboten. Schließlich bietet das Betreuungsbüro auch Raum für Projekte, die sich aus der Nachbarschaft bzw. dem Netzwerk ergeben (generationenübergreifende Spielenachmittage, Tanzcafé, Kochgruppen etc.).

Veranstaltungsangebot

Neben dem Betreuungsbüro, einer Küche sowie barrierefreien Toiletten- und Waschräumen stellt das Quartierszentrum auch einen geräumigen Mehrzweck- und Begegnungsraum bereit, der von den Mietern für eigene Veranstaltungen (Geburtstag, Hochzeit etc.) genutzt werden kann. Das Team des Betreuungsbüros ist auf Wunsch bei der Gestaltung und Ausstattung der Veranstaltung behilflich.

Zudem stellt die betreuende Sozialarbeit den Begegnungsraum tageweise als „Wohnstube“ zur Verfügung. Ziel dieses niederschwelligen Angebots ist es, insbesondere (aber nicht nur) alleinlebenden Quartiersbewohnern die Teilhabe an gemeinschaftlichen Aktivitäten, am sozialen Alltag, zu erleichtern. In der „Wohnstube“ kann man ‚mal eben vorbeischauen‘, etwas trinken, plaudern, sich gemeinsam einen Film oder ein Fußballspiel im TV ansehen. Die Planung und Gestaltung von Aktivitäten liegt weitestgehend in der Hand der Besucher, während das Quartierszentrum den Raum und das Getränkeangebot stellt.

Über diese Nutzungsmöglichkeiten hinaus steht aber vor allem die Partizipation der Bewohner im Fokus, die teils schon in die Planung des Quartierszentrums eingebunden waren und bereits vor Fertigstellung der Einrichtung konkrete Ideen eingebracht und Impulse gesetzt haben, um das Zusammenleben im neuen Nachbarschaftshaus anzuregen. Die gegenwärtige Nachfrage nach einem regelmäßigen Kochangebot, nach diversen Freizeitgruppen, einer Sportgruppe für Senioren, einer Stillgruppe etc. untermauert, dass der Veranstaltungsraum gezielt auch für Bildungs- und Freizeitangebote, die von und für die Bewohner aller Generationen im Quartier gestaltet werden, zu nutzen sein wird.