Veröffentlicht am 27. Mai 2026 von RKP

Arbeitgeber aus der Pflege haben seit 2019 ihr eigene Ruhrgebietskonferenz

Pflege ist nicht nur Sozialpolitik, sondern Strukturpolitik

Gelsenkirchen, im Mai 2026: Mit Interesse haben wir die Berichterstattung von Tobias Blasius in der WAZ über das faktische Ende der Ruhrkonferenz zur Kenntnis genommen. Für die Ruhrgebietskonferenz Pflege (RKP) hat diese Nachricht zunächst keine unmittelbaren Folgen: Uns gibt es weiterhin. Wir bleiben dran!
Und wir werden auch weiterhin ohne öffentliche Mittel aus der Ruhrkonferenz auskommen – darin verfügen wir inzwischen über einige Erfahrung.
Die Ruhrgebietskonferenz Pflege wurde 2019 gegründet, weil Arbeitgeber und Träger aus der Langzeitpflege früh die Sorge hatten, dass die Pflegewirtschaft und ihre Bedeutung für den Strukturwandel im Ruhrgebiet politisch kaum wahrgenommen würden. Diese Befürchtung hat sich leider weitgehend bestätigt. Wir haben uns mit Projektideen, Themenvorschlägen und Stellungnahmen an der Ruhrkonferenz beteiligt. Resonanz haben wir keine gefunden. Das hat uns aber eher motiviert und unser Netzwerk gestärkt.
Während über Industrie, Technologie, Start-ups, Logistik und Infrastruktur gesprochen wurde, blieb die Langzeitpflege trotz hunderttausender Betroffener, zehntausender Beschäftigter und ihrer enormen Bedeutung für sozialen Zusammenhalt und kommunale Stabilität vielfach Randthema. Kein Projekt aus der Ruhrkonferenz hat die Langzeitpflege auf dem Schirm gehabt.
Dabei ist die Pflegewirtschaft längst ein zentraler Beschäftigungs- und Wachstumsfaktor im Revier. Pflege verhindert soziale Ausgrenzung, stabilisiert Quartiere, ermöglicht Teilhabe und gehört damit zur kritischen Infrastruktur des Ruhrgebiets.

Trotz fehlender struktureller Unterstützung haben wir weitergemacht. Die Ruhrgebietskonferenz Pflege hat seit ihrer Gründung:

  • politische Stellungnahmen zur Pflegefinanzierung, zum Fachkräftemangel und zur Versorgungssicherheit veröffentlicht,
  • auf die drohende „Pflege-Triage“ und die stille Rationierung von Leistungen aufmerksam gemacht,
  • Gipfel zur Vereinbarkeit von Beruf und Angehörigenpflege organisiert,
  • Debatten zur Zukunft der Langzeitpflege im Ruhrgebiet angestoßen,
  • die Internationale Pflegebauausstellung mitinitiiert und mitentwickelt,
  • Fragen von Quartiersentwicklung, altersgerechtem Wohnen und Pflegeinfrastruktur mit Stadtentwicklung verbunden,
  • sich für Digitalisierung, Telemedizin und sektorenübergreifende Versorgungskonzepte eingesetzt,
  • die Bedeutung internationaler Fachkräfte für die Versorgungssicherheit hervorgehoben,
  • und sich wiederholt in gesellschaftspolitische Debatten um soziale Stabilität, Vielfalt und demokratischen Zusammenhalt eingebracht.

Wir waren Mitinitiatoren der Internationale Pflegebauausstellung (IPBA) und haben damit bewusst ein Zeichen gesetzt: Pflege ist nicht nur Sozialpolitik, sondern Strukturpolitik.

Gesundheits- und Pflegewirtschaft stabilisieren Quartiere, schaffen Beschäftigung, sichern Lebensqualität und gehören zu den wichtigsten Zukunftsbranchen des Ruhrgebiets.
Umso bedauerlicher ist es, dass offenbar nicht nur Teile der Politik, sondern auch die Medienlandschaft im Revier weiterhin ein Wahrnehmungsproblem mit der Pflege als Wirtschafts- und sozialem Stabilitätsfaktor haben.
Wer über Strukturwandel spricht und dabei die Langzeitpflege übersieht, blendet einen der größten Beschäftigungsbereiche des Ruhrgebiets – und einen wesentlichen Pfeiler gesellschaftlicher Stabilität.
Dass die Ruhrgebietskonferenz Pflege in vielen Rückblicken auf die Ruhrkonferenz gar nicht erst vorkommt, bestätigt leider genau jene Erfahrung, die zu ihrer Gründung geführt hat. Die Ruhrgebietskonferenz Pflege bleibt deshalb auch künftig aktiv – unabhängig von Förderkulissen, politischen Moden oder wechselnden Konferenzformaten.

Denn die Herausforderungen verschwinden nicht dadurch, dass Programme enden.
Der Strukturwandel im Ruhrgebiet wird nur gelingen, wenn soziale Infrastruktur, Pflege, Gesundheit und Sorgearbeit endlich als das verstanden werden, was sie längst sind: zentrale Zukunfts- und Standortfaktoren.

Eine Zusammenstellung der Aktivitäten der RKP finden Sie hier als pdf.

Foto: Robert So, pexels.com