
Veröffentlicht am 9. Februar 2026 von RKP
Vertrauen ermöglichen – Hilfe beschleunigen – Versorgung stabilisieren
„Care vor Ort“ – Quartiers- und wohnortnahe Pflegeberatung in regionalen Netzwerken in NRW
Gelsenkirchen, 9. Februar 2026: In Nordrhein-Westfalen soll die Pflegeberatung wirksamer, schneller und näher an den Menschen organisiert werden. So hat es Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann in einer Debatte im NRW Landtag Ende Januar umschrieben und angekündigt, die Pflegeberatung soll „neu und durchsichtiger organisiert werden.“ Das haben die Arbeitgeber aus der Pflege in NRW jetzt aufgegriffen. „Wir sehen darin eine riesige Chance, die Lücke zwischen Unterstützungsbedarf und verfügbaren Hilfen zu verringern, Zugänge zu beschleunigen und tragfähige Versorgungsarrangements frühzeitig aufzubauen – ohne zusätzliche Kosten im Vergleich zu den heutigen Ausgaben für Pflegeberatung“, beschreibt Christian Schultz, Sprecher von „ZukunftPflege NRW“ und Geschäftsführer der Diakonie-Stiftung Salem, die Idee hinter einer gemeinsamen Initiative der Arbeitgeberbündnisse „ZukunftPflege NRW“ und Ruhrgebietskonferenz-Pflege.
Unter dem Titel „Care vor Ort“ sollen regionale Netzwerke in Städten, Kreisen und Kommunen entstehen, die quartiers- und wohnortnahe Pflegeberatung systematisch mit den vorhandenen Beratungskompetenzen der ambulanten Pflegedienste, Homecare-Anbieter und kommunalen Strukturen verbinden.
Vertrauen in Leistungserbringer stärken
Für Christian Westermann, Sprecher der Ruhrgebietskonferenz Pflege, braucht es dafür aber einen Perspektivwechsel: „Das Leitmotiv „Trust in Care“ ist die Voraussetzung für das Gelingen dieser Neuaufstellung: Es geht darum, Vertrauen in die Beratungsrolle der Leistungserbringer zu stärken und ein verbreitetes Klischee aufzubrechen – nämlich die Annahme, Pflegedienste und Homecare-Anbieter würden in erster Linie „verkaufen“ und ausschließlich ihre eigenen Leistungen anbieten.“
Angebote bündeln und Technik nutzen
Rund drei Millionen Menschen in NRW sind pflegebedürftig oder versorgen Angehörige. Viele erleben lange Wartezeiten, unübersichtliche Angebote und fehlende Koordination. Gleichzeitig gibt es bereits zahlreiche gesetzliche Beratungs- und Schulungsangebote, die bislang oft nebeneinander statt miteinander genutzt werden. Genau hier setzt „Care vor Ort“ an. Das Konzept bündelt bestehende gesetzliche Angebote wie Beratungsbesuche, Pflegekurse und individuelle Pflegeberatung und macht sie wohnortnah, schneller zugänglich und besser koordiniert. Digitale Plattformen – nach dem Vorbild des „Marktplatz ambulante Pflege“ in Münster – sollen zusätzlich helfen, freie Kapazitäten transparent zu machen und Unterstützungsangebote schneller zu vermitteln.
Aus Pflegeberatung wird Pflegebegleitung
Das Projekt verfolgt klare Ziele: den Zugang zu Hilfe beschleunigen, Versorgungslücken schließen, kommunale Steuerungsfähigkeit stärken und die Beratung für Pflegebedürftige und Angehörige verlässlicher gestalten. Gleichzeitig bleibt es kostenneutral, da vorhandene Strukturen effizienter genutzt und Doppelberatungen vermieden werden. Auch Kommunen profitieren: Sie erhalten mehr Transparenz und Steuerungsmöglichkeiten im Pflegebereich und können bestehende Beratungsangebote besser entlasten. Für Pflegedienste und Homecare-Anbieter bedeutet „Care vor Ort“ eine Aufwertung ihrer Beratungsrolle und eine stärkere Einbindung in die regionale Versorgungssteuerung. „Mit dem Ansatz von „Care vor Ort“ kann das Land NRW aus der heutigen Pflegeberatung eine Pflegebegleitung mit echter Problemlösungskompetenz für die Betroffenen machen“, gibt sich Claudia Ott, Vorstand der Theodor-Fliedner-Stiftung in Mülheim an der Ruhr“ und ebenfalls Sprecherin der Ruhrgebietskonferenz-Pflege, optimistisch.
Arbeitgeber wollen solidarische Pflegeversorgung
„Care vor Ort“ steht für eine neue Qualität der Pflegeberatung in NRW: regional verankert, wohnortnah, vertrauensbasiert, koordiniert und digital unterstützt. Ziel ist eine solidarische Pflegeversorgung, in der Menschen schneller die Hilfe bekommen, die sie brauchen – direkt vor Ort. „Care vor Ort“ zeigt, dass Pflegearbeitgeber bereit sind für echte Netzwerkarbeit, neutrale Lotsenfunktionen und sozialräumliche Verantwortung – im Interesse der Betroffenen und der kommunalen Versorgung.

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