Veröffentlicht am 25. August 2026 von RKP

#nichtdeinjob – Pflegekammer oder Denunziationsportal?

Tacheles-Statement Roland Weigel

Man kann über den richtigen Einsatz von Pflegefachpersonen reden. Man muss es sogar. Wer Fachkräfte mit Aufgaben beschäftigt, für die ihre Qualifikation nicht erforderlich ist, verschwendet eine der knappsten Ressourcen unseres Gesundheitswesens.

Aber was die Pflegekammer NRW daraus macht, halte ich persönlich für ein Unding.

Unter dem Kampagnentitel „#nichtdeinjob“ sollen Pflegefachpersonen nicht nur darüber informiert werden, welche Tätigkeiten aus Sicht der
Kammer nicht zu ihren Aufgaben gehören. Es werden zugleich „Meldemöglichkeiten“ geschaffen.

Tacheles: Damit wird aus einer berufspolitischen Kampagne sehr schnell ein Denunziationsportal.

Beschäftigte werden aufgefordert, Vorgänge aus ihren Betrieben an ihre Kammer zu melden. Arbeitgeber und Einrichtungen geraten damit potenziell an den Pranger – und die Pflegekammer begibt sich auf ein Feld, auf dem sie aus unserer Sicht nichts zu suchen hat.

Pflege braucht Zusammenarbeit – keine Fronten

Gerade die Langzeitpflege funktioniert nicht nach dem Prinzip: „Nicht mein Job!“

Sie funktioniert, weil Menschen Verantwortung übernehmen, weil Berufsgruppen zusammenarbeiten und weil in einer konkreten Versorgungssituation eben nicht immer zuerst gefragt werden kann, ob eine Tätigkeit exakt auf der richtigen Seite einer berufspolitisch gezogenen Grenzlinie liegt.

Natürlich müssen Fachkräfte fachgerecht eingesetzt werden. Natürlich gehören Fehlentwicklungen angesprochen. Und selbstverständlich müssen Rechtsverstöße verfolgt werden.

Dafür gibt es Betriebsräte, Mitarbeitervertretungen, Aufsichtsbehörden, Arbeitsschutz, Gewerkschaften und nicht zuletzt den direkten Dialog zwischen Beschäftigten und Arbeitgebern.

Was wir nicht brauchen, ist eine Pflegekammer, die sich zur Meldestelle für innerbetriebliche Konflikte aufschwingt.

Ausgerechnet jetzt: „Nicht mein Job“?

Wir reden gleichzeitig über Fachkräftemangel, Versorgungslücken und immer mehr pflegebedürftige Menschen. Politik und Pflegebranche suchen händeringend nach neuen Formen der Zusammenarbeit, nach flexibleren Kompetenzmodellen und nach weniger starren Sektorengrenzen.

Und die Antwort der Pflegekammer lautet: #nichtdeinjob.

Ernsthaft?

Wir brauchen in der Pflege nicht mehr Abgrenzung, sondern mehr Zusammenarbeit. Nicht mehr Misstrauen, sondern mehr Verantwortung.
Nicht Meldestellen gegeneinander, sondern Lösungen miteinander.

Eine Pflegekammer sollte ihren Berufsstand stärken, Qualifizierung vorantreiben, gute Rahmenbedingungen einfordern und sich konstruktiv in die Weiterentwicklung der Versorgung einbringen.

Arbeitgeber unter Generalverdacht zu stellen und Beschäftigten einen Meldebutton an die Hand zu geben, gehört für uns nicht dazu.

Unser Vorschlag an die Pflegekammer NRW: Redet mit uns statt über uns. Und wenn Pflegefachpersonen falsch eingesetzt werden, dann lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass sich das ändert.

#gemeinsamunserjob wäre vielleicht der bessere Anfang.

Roland Weigel, Koordinator der Ruhrgebietskonferenz-Pflege und des Netzwerks „ZukunftPflege NRW“

Infoblatt #nichtdeinjob