Veröffentlicht am 21. Dezember 2021 von RKP

„Es fehlt doch jetzt schon an allen Ecken und Kanten!“

Pflegeeinrichtungen fürchten mehr Bürokratie und Personalfluktuation durch die Umsetzung der Impfpflicht

Gelsenkirchen, 20.12.21: Für Ulrich Christofczik, Vorstand im Christophoruswerk in Duisburg und einer der Sprecher*innen der Ruhrgebietskonferenz-Pflege bleibt die Umsetzung der Impfpflicht in der Pflege mal wieder an den Unternehmen hängen. „Wir müssen bis zum 15. März 2022 alle Mitarbeitende, die sich nicht haben impfen lassen, an die Gesundheitsämter melden. Diese können dann eine Beschäftigungsverbot aussprechen. Damit ist ein absehbar hoher bürokratischer Aufwand verbunden“ skizziert Ulrich Christofczik die Problemlage und führt dann weiter aus: „Wir sind gespannt, wie die Behörden das bewältigen wollen. Es bleibt zu hoffen, dass die Maßstäbe nach denen Berufsverbote ausgesprochen werden und die damit verbundenen Regelungen, einheitlich sind.“ Das Gesetz sieht vor, dass medizinische Gründe gegen ein solches Beschäftigungsverbot sprechen können.

Für Ulrich Christofczik ist klar, dass sich durch die Impfpflicht die Personalsituation in den Pflegeeinrichtungen weiter verschärfen wird. „Wir rechnen nach ersten Gesprächen mit zwei bis acht Prozent Fluktuation in unseren Einrichtungen. Es fehlt doch jetzt schon an allen Ecken und Kanten. Nicht zuletzt wegen der Impfdurchbrüche bei den Beschäftigten aber auch wegen der Quarantäne der schulpflichtigen Kinder unserer Mitarbeitenden.“

Foto: hkama/ stock.adobe.com

Die Impfpflicht soll ja die besonders vulnerablen Menschen vor dem Virus schützen. Jetzt wächst aber die Gefahr, dass wegen des sich zuspitzenden Personalmangels die Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann. An anderer Stelle hatte die Ruhrgebietskonferenz-Pflege schon einmal darauf hingewiesen, das es alternative und erprobte Schutzmöglichkeiten vor einer Ansteckung in den Pflegeeinrichtungen gibt, aber keinen Ersatz für Mitarbeitende, die nicht zur Arbeit kommen (dürfen).

„Wer glaubt, das wir das alles so einfach wegstecken, kennt die Situation in unseren Einrichtungen nicht“, erregt sich der Vorstand des Christohoruswerks und ruft dazu auf, sich rechtzeitig zusammenzusetzen, um nach Lösungen und Unterstützungsmöglichkeiten für die Pflegeeinrichtungen und -dienste in den kommenden Monaten zu suchen.

„Im Januar werden wir den Gesundheitsämtern im Ruhrgebiet eine gemeinsame Gesprächsplattform zur Vorbereitung der Impfpflicht in der Pflege anbieten“, kündigt der Sprecher Konferenz an. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Angebot auch auf die entsprechende Nachfrage stößt. „Es darf nicht passieren, dass die Kriterien und Verfahren zur Umsetzung der Impfpflicht und damit verbundener Sanktionen in Essen andere sind als in Duisburg oder Bochum“, formuliert Ulrich Christofczik zum Schluss.

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