Veröffentlicht am 2. September 2026 von RKP

Pflege verschwindet nicht, weil die Pflegeversicherung nicht zahlt!

Ruhrgebietskonferenz-Pflege: Leistungskürzungen gefährden Arbeitszeit und verschärfen den Fachkräftemangel

Gestern haben Ruhrgebietskonferenz-Pflege und ZukunftPflege NRW angesichts des Milliardenlochs in der Pflegeversicherung gefordert: Schluss mit dem Reparaturbetrieb. Strukturen anpacken statt kürzen und deckeln.

Jetzt fordert ausgerechnet die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) Leistungskürzungen und Karenzzeiten in der Pflegeversicherung.

Aus Arbeitgebersicht ein kapitaler Denkfehler

Denn Pflege verschwindet nicht, weil die Pflegeversicherung nicht zahlt. Der Hilfebedarf bleibt. Fehlt professionelle Unterstützung, müssen Angehörige einspringen – und viele von ihnen fehlen dann zumindest teilweise an ihrem Arbeitsplatz.

Die Größenordnung ist erheblich: 59 Prozent der pflegenden Angehörigen sind erwerbstätig. Rund 45 Prozent haben ihre Erwerbstätigkeit wegen der Pflege bereits reduziert. Die langfristigen Folgekosten einer nicht gelingenden Vereinbarkeit von Beruf und Pflege werden für Unternehmen auf 19 Milliarden Euro beziffert.

Und jetzt sollen ausgerechnet Leistungskürzungen die Pflegeversicherung retten?

Zu kurz gerechnet

Was die Pflegeversicherung kurzfristig weniger ausgibt, kann Unternehmen durch reduzierte Arbeitszeiten, Fehlzeiten, Produktivitätsverluste und den Verlust von Fachkräften teuer zu stehen kommen.

Deutschland diskutiert gleichzeitig darüber, wie Menschen länger und mehr arbeiten können. Dann kann die Antwort auf die Finanzkrise der Pflegeversicherung nicht darin bestehen, noch mehr Pflegearbeit in die Familien zu verlagern.

Strukturen anpacken

Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ist keine sozialpolitische Zugabe. Sie ist knallharte Fachkräfte- und Wirtschaftspolitik.

Deshalb bleibt unsere Forderung: Strukturen anpacken statt Leistungen kürzen. Prävention stärken, ambulante Versorgung sichern, pflegende Angehörige entlasten, regionale Versorgung organisieren und gesamtgesellschaftliche Aufgaben sauber finanzieren.

Denn am Ende ist die Rechnung ziemlich einfach:

Bei der Pflege sparen – und dafür Fachkräfte im Betrieb verlieren? Das kann keine Arbeitgeberstrategie sein.

Bitte beachten Sie auch das beigefügte „Faktenblatt“ und den „Monitor“ zur Lage pflegender Angehöriger des Wissenschaftlichen Instituts der AOK von 2026