Veröffentlicht am 20. März 2021 von RKP

„Wir verpassen gerade eine Riesenchance, um Menschen für die Pflege zu gewinnen“

Vodcast zu den ungenutzten Möglichkeiten digitaler Personalgewinnung in der Pflege

Gelsenkirchen, 19.03.2021: In Zeiten, wo analoge Begegnung und Kontaktaufnahme kaum möglich ist, müsste der Markt für digitales Recruiting doch boomen. Aber weit gefehlt! So lautet zumindest das Fazit aus Sicht der Gesprächsrunde im aktuellen Vodcast der Ruhrgebietskonferenz-Pflege. 

Bild: stock.adobe.com: studio v-zwoelf

Die Zurückhaltung bei der Anwendung von digitalen Such- und Empfehlungsprogrammen in der Pflege ist trotz Corona immer noch groß. „Vor der Coronakrise haben sich tatsächlich vermehrt Pflegeunternehmen für digitale Lösungen interessiert. Seit Jahresbeginn nehmen wir die Pflege als Branche nicht mehr wahr“, beschreibt Matthias Wolf die aktuelle Nachfrage in seinem Unternehmen. Ganz im Unterschied zu anderen Branchen, wie dem Einzelhandel, der Logistik oder der Datenverarbeitung, die in der Coronapandemie auch im öffentlichen Rampenlicht standen.

Firstbird bietet ein Tool, mit dem Personalgewinnung durch die eigenen Mitarbeiter*innen digital unterstützt wird. „Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programme“ gehören in anderen Ländern und anderen Branchen längst zum Standardrepertoir des Recruitings. In Deutschland und speziell in der Pflege hinken wir der Entwicklung noch hinterher. Dabei ist „Zusammenarbeit im Team“ einer der Schlüsselfaktoren für Arbeitszufriedenheit in Pflegeeinrichtungen und Empfehlungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis gehören zu den wirksamsten Methoden bei der Suche nach neuen Arbeitskräften.

Es gibt viele technische Lösungen und der Markt ist für Entscheider in den Unternehmen schwer zu überblicken. Um sich digital besser aufzustellen, braucht es eine präzise Vorstellung von der Zielsetzung und den Zielgruppen, die erreicht werden sollen. Voraussetzung für eine digitale Personalgewinnung ist deshalb eine klare analoge Strategie. „Wir brauchen mehr Treiber in den Einrichtungen, die sich für digitale Lösungen engagieren“, fasst Jochen Schneider seine Erfahrungen in der Pflege und in KiTas zusammen.

Angesichts der Tatsache, dass in der Pflege gerade 13.000 Fach- und 20.000 Assistenzkräfte gesucht und gefunden werden müssten, ist die Zurückhaltung bei der Anwendung digitaler Tools zur Personalgewinnung nur schwer nachvollziehbar. Als Moderator zieht Roland Weigel am Ende eine wenig schmeichelhafte Bilanz aus seiner Sicht: „Wir verpassen gerade eine Riesenchance, um Menschen für die Pflege zu gewinnen.“

Sehen & hören

Nur hören