Veröffentlicht am 16. März 2020 von Redaktion

„Für 14 Tage reicht es noch“

Gelsenkirchen/Ruhrgebiet, 16. März 2020. Im Kampf gegen das neuartige Corona-Virus droht der Pflege ein weiterer Notstand: die Hilfsmittel-Knappheit. „Für 14 Tage reicht es noch“, sagt der Gelsenkirchener Pflege-Unternehmer Claudius Hasenau, Sprecher der Ruhrgebietskonferenz Pflege. Eine Umfrage unter den 40 Gesellschaftern der Arbeitgeber-Initiative ergab, dass bei der Mehrheit der Mitglieder die Vorräte zur Neige gehen oder angekündigte Lieferungen ausblieben. Die Einrichtung von Knotenpunkten zur koordinierten Belieferung von Pflegeeinrichtungen könnte eine erste Hilfsmaßnahme sein, so die Ruhrgebietskonferenz Pflege.

In der Altenhilfe werden die Hilfsmittel knapp, warnt die Ruhrgebietskon-ferenz Pflege: (von links) Koordinator Roland Weigel und die drei Sprecher Ulrich Christofczik, Silke Gerling und Claudius Hasenau. Foto: Arne Pöhnert / Ruhrgebietskonferenz Pflege

Die Arbeitgeber-Initiative fordert deshalb dringend verlässliche Lieferketten für Schutzkleidung und Desinfektionsmittel. Hasenau spricht für alle Gesellschafter, wenn er sagt: „Wir brauchen für unsere Mitarbeitenden und Patienten schnellmöglich Planungssicherheit.“ Die Arbeitgeberinitiative Ruhrgebietskonferenz-Pflege ruft deshalb zur besseren Koordination der Beschaffung von Hilfsmitteln für Pflegedienste und -einrichtungen auf.

Altenpflege ist systemrelevant
Ambulante Pflegedienste, Tages- und Kurzzeitpflegen, Pflege-Wohngemeinschaft und Pflegeheime spielen eine Schlüsselrolle im Kampf gegen das COVID-19 und seine Folgen. „Nicht nur die Kliniken, auch die Altenpflege ist systemrelevant. Die ambulanten Dienste kümmern sich um die alten und kranken Menschen, denen jetzt die Familiennetzwerke wegbrechen. In unseren Einrichtungen leben ausschließlich Hochrisikopatienten“, betont Silke Gerling, Geschäftsbereichsleiterin Alten- und Seniorenhilfe beim Diakoniewerk Essen. „Wir verstehen, dass die Kommunen jetzt alle Hände damit zu tun haben, die Folgen der Kita- und Schulschließungen zu bewältigen und die Kliniken auf den vorhergesagten Ansturm vorzubereiten.“ Dabei dürfe nicht außer Acht gelassen werden, dass die häusliche Pflege sowie voll- und teilstationäre Einrichtungen alles dafür tun, die besonders gefährdeten Menschen vor einer Corona-Infektion zu schützen. Silke Gerling: „Das geht aber nur, wenn sich unsere Mitarbeitenden selbst gut schützen können.“

Ambulante Dienste fühlen sich im Stich gelassen
„Die Landesregierung und die Kommunen im Ruhrgebiet müssen schnellstmöglich dafür sorgen, dass Lieferketten funktionieren“, unterstreicht Ulrich Christofczik, Vorstandsvorsitzender beim Ev. Christophoruswerk in Duisburg. Einige Dienste fühlten sich bereits im Stich gelassen. Roland Weigel, Koordinator der Initiative unterstreicht: „Die Pflege ist keine Branche, die Panik und Angst verbreitet. Wir wissen genau, wie wir uns in solchen Situationen zu verhalten haben. Trotzdem brauchen wir jetzt Unterstützung bei der Beschaffung.“

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