Veröffentlicht am 3. April 2020 von Redaktion

Skandale statt Information: ARD denunziert Altenpflege

Gelsenkirchen/Ruhrgebiet, 3. April 2020. Anstatt sachlich über die Anstrengungen und Fortschritte der beruflichen Pflege in der Corona-Krise zu informieren, setzt die ARD in ihren Magazinen und Talks lieber auf Negativ-Schlagzeilen und Katastrophenszenarien. Diese Kritik formuliert die Ruhrgebietskonferenz Pflege in einem Offenen Brief an den ARD-Intendanten Tom Buhrow. „In einer Zeit, in der Menschen mutmachende Fakten und Sicherheit benötigen, wird eine Vertrauenskrise heraufbeschworen, die uns in Nach-Corona-Zeiten noch lange zu schaffen machen wird“, so Ulrich Christofczik, Sprecher der Ruhrgebietskonferenz Pflege und Vorstandsmitglied des Ev. Christophoruswerkes in Duisburg.

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PDF Download: Offener Brief an Herrn Tom Buhrow

Besonders scharf kritisiert die 2018 gegründete Arbeitgeberinitiative die Journalisten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. In einem Interview mit „Report Mainz“ (ARD) für die Sendung am 24. März machte Sprecher Ulrich Christofczik mehrfach und mit Nachdruck deutlich, dass die Pflege gut aufgestellt sei. Sie werde die Corona-Herausforderungen meistern, wenn die Politik die notwendigen Rahmenbedingungen wie z.B. Schutzkleidung und Desinfektionsmittel zuverlässig liefere. Diese Aussage fand sich zwar noch in einer Pressemitteilung der ARD zur Sendung wieder, im Interview jedoch wurde sie herausgeschnitten.

Gutes Management – engagierte Mitarbeitende
Ähnliche Erfahrungen machte Ende März Kerstin Schönlau, Geschäftsbereichsleitung Seniorenhilfe beim Diakonischen Werk Bottrop/Gladbeck/Dorsten und Gesellschafterin der Ruhrgebietskonferenz Pflege. Einer Telefon-Rechercheurin des ARD-Primetime-Talks „Anne Will“ antwortete sie, dass in den Einrichtungen gut gemanagt werde, engagierte Mitarbeitende Dienst tun und die Leitung sich intensiv um Material bemühe. Kerstin Schönlau: „Die Anruferin dankte mir freundlich, das war’s. Gute Nachrichten aus der Pflege sind wohl nicht interessant genug.“

Pflegeheime als „black box“
Für einhellige Empörung jedoch sorgte bei den Akteuren der Ruhrgebietskonferenz Pflege das Corona-Special „ARD extra“ am 1. April. Zur Aussetzung der Pflegeprüfungen und dem Besuchsverbot befragt, antwortete der „SWR-Pflegeexperte“ Reinhard Schober sinngemäß, dass diese Maßnahmen die Pflegeeinrichtungen zu einer Art „black box“ werden lassen. (Kritische) Angehörige wüssten nicht mehr, was darin passiert. Einrichtungen, die nicht gut geführt würden, käme diese Situation gelegen. „Eine solche Behauptung ist ungeheuerlich,“ sagt Silke Gerling, Geschäftsbereichsleitung Alten- und Behindertenhilfe im Diakoniewerk Essen und Sprecherin der Ruhrgebietskonferenz Pflege. „Die Maßnahmen wurden zur Entlastung der Einrichtungen und zum Schutz vor Infektion getroffen. Trotzdem hebt die Berichterstattung der ARD auf Skandale und ,schwarze Schafe‘ ab. Das verunsichert die Angehörigen und diskreditiert unsere Mitarbeitenden.“

Altenpflege wieder einmal unter Generalverdacht
Die Erfahrungen der vergangenen Wochen veranlassten die Ruhrgebietskonferenz Pflege zu einem „Offenen Brief“ an den ARD-Intendanten Tom Buhrow. „Wenn selbst seriöse Medien das Vertrauen in die Pflege untergraben, läuft das ganze System auf Grund. Die Altenpflege wird wieder einmal unter Generalverdacht gestellt,“ warnt Roland Weigel, Koordinator der Ruhrgebietskonferenz Pflege. Die Kritik der Arbeitgeberinitiative ziele keinesfalls darauf ab, dass nur noch mit der rosaroten Brille über die Pflege berichtet werden dürfe. Trotzdem sei es unverständlich, dass selbst in der Corona-Krise weiterhin alte Klischees bedient werden anstatt die enormen Anstrengungen und Erfolge der beruflich Pflegenden informativ und sachlich darzustellen. Weigel: „Eine solche Katastrophen-Berichterstattung ist unverantwortlich und denunzierend. Sie schürt Misstrauen auf allen Seiten – bei den Kunden, bei den Mitarbeitenden und bei den Anbietern. Auf diese Weise lassen sich keine neuen Kräfte für die Pflege gewinnen, um die wir schon so lange werben und für die es so viel Arbeit gibt. Unter diesem Negativ-Image, gegen das wir seit Jahren ankämpfen, werden wir dank der ARD-Berichte in Nach-Corona-Zeiten noch lange leiden müssen. Das hat die Pflege nicht verdient.“

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