Veröffentlicht am 20. März 2026 von RKP

Systemwandelworkshop „Pflege divers – Integration gestalten, Vielfalt stärken“

Ausländische Arbeitskräfte gewinnen und binden: Engpassfaktor Wohnraum – Erfolgsfaktor Netzwerkarbeit

Alle Welt spricht von der dringend notwendigen Anwerbung von Fach- und Arbeitskräften für die Langzeitpflege im Ausland. Doch wie steht es um die Rahmenbedingungen für eine gelingende Integration – und vor allem für eine nachhaltige Bindung internationaler Mitarbeitender?

Der Systemwandelworkshop „Pflege divers“ am 18.03.2026 hat die die Praxis in den Mittelpunkt gerückt: Anhand konkreter Beispiele aus zwei Pflegeunternehmen und einem Fachseminar für Pflegeberufe wurde diskutiert, wie die Integration ausländischer Arbeitskräfte tatsächlich gelingen kann.

Internationale Rekrutierung ist ein zentraler Baustein zur Sicherung der Pflegeversorgung – ihr Erfolg entscheidet sich jedoch nicht bei der Gewinnung, sondern bei der Integration. Die Erfahrungen zeigen: Internationale Auszubildende und Fachkräfte sind motiviert und leistungsbereit, stoßen aber auf erhebliche Hürden, vor allem bei Sprache, Bürokratie, Wohnraum und sozialer Eingliederung. Ohne klare Strukturen, verlässliche Prozesse und gezielte Unterstützung entstehen schnell Probleme, die den langfristigen Verbleib gefährden.
Für Träger bedeutet das: Integration muss aktiv gestaltet werden. Notwendig sind feste Zuständigkeiten, ein strukturiertes Integrationsmanagement, kontinuierliche Sprachförderung, vorbereitete Teams sowie eine gelebte Willkommenskultur. Ebenso entscheidend sind Kooperationen – etwa mit Schulen, Vermittlungsagenturen, Kommunen und Wohnungsanbietern – insbesondere zur Lösung der Wohnraumfrage. Integration beginnt dabei schon vor der Einreise und erfordert eine langfristige Begleitung.
Gleichzeitig braucht es bessere politische und behördliche Rahmenbedingungen: schnellere und einfachere Verfahren, mehr finanzielle Unterstützung, eine stärkere Koordination der beteiligten Stellen sowie Lösungen für den Wohnraummangel.

Die Impulsgeber*innen waren:

Kerstin Schönlau und Karola Jansen-Flügel (aus der Geschäftsbereichsleitung der Diakonie Gladbeck-Bottrop-Dorsten)
-> Diversity Management
-> Recruiting internationaler Mitarbeitender in der Pflege

Helmut Wallrafen (Geschäftsführer der Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach)
-> Recruiting eines Ausbildungskurses aus Indien

Lena Baldus (Social-Scout im Evangelischen Fachseminar für Pflegeberufe, Essen)
-> Das Integrationskonzept des Ev. Fachseminars

Wichtige Learnings aus der Praxis
Rekrutierung beginnt lange vor der Einreise. Frühzeitige Kommunikation und Vorbereitung vermeiden spätere Probleme. Zu viele Akteure erhöhen die Komplexität. Die Auswahl der Partner bei der Zusammenarbeit in den Zielländern ist entscheidend. Dabei ist wichtig, welche Zielgruppe erreicht werden soll. Für die Gewinnung und Bindung von Auszubildenden braucht es ein anderes Netzwerk als für die Gewinnung von Fachkräften.

Sprache ist die größte Hürde. Das Sprachniveau B2 reicht in der Praxis oft nicht aus. Kontinuierliche Sprachförderung ist notwendig. Das betrifft sowohl die Fach- als auch die Umgangssprache.

Integration passiert im Alltag – nicht auf dem Papier. Die Team, in denen die neuen Kolleginnen eingesetzt werden, müssen vorbereitet und begleitet werden. Kulturelle Unterschiede sollten schon im Vorfeld aktiv thematisiert werden.

Wohnraum als kritischer Engpass. In nahezu allen Orten in NRW ist Wohnraum eine Engpassfaktor, der Integration behindert. Hier spielt die Netzwerkfähigkeit der Arbeitgeber eine große Rolle. Tragfähige Kooperationen mit Kommunen und Wohnungsbauunternehmen sind Erfolgsfaktoren.

Organisation und Kommunikation sind erfolgskritisch. Unklare Prozesse führen direkt zu Problemen (z. B. kein Gehalt, fehlende Anmeldung). Integration braucht Zeit und konkrete persönliche Ansprache, fachlich, sprachlich und sozial.

Träger müssen Strukturen schaffen. Dazu gehört der Aufbau eines Integrationsmanagements mit klaren Zuständigkeiten (und neuen Rollen – z.B. Diversity Manager*innen, Social-Scouts). Wichtig sind standardisierte und transparente Prozesse fürs Recruiting, Onboarding und Behördenkontakte.

Integration systematisch gestalten. Willkommenskultur muss aktiv entwickelt und begleitet werden. Dazu gehören regelmäßige Austauschformate (z. B. Gespräche, Sprechstunden) und Buddy- oder Mentorenprogramme.

Integration braucht tragfähige Netzwerke. Dazu gehört die enge Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Pflegeschulen, verlässlichen Vermittlungsagenturen und nicht zuletzt den Kommunen.

Zu jedem Systemwandelworkshop gehört die Frage, was sich politisch & behördlich ändern muss

Bürokratie vereinfachen und beschleunigen

  • Schnellere Visa-Verfahren
  • Vereinfachte Anerkennungsprozesse
  • Klare, einheitliche Abläuf

Zentrale Koordination verbessern

  • Bessere Abstimmung zwischen: Ausländerbehörden, Arbeitsagenturen und Kommunen
  • Vermeidung von Informationsbrüchen

Wohnraumfrage strukturell lösen

  • Kommunen als aktive Partner
  • Förderung von Wohnraumprojekten für internationale Fachkräfte

Finanzielle Unterstützung ausbauen

  • Refinanzierung von Rekrutierungskosten
  • Förderung von: Sprachkursen und Integrationsmaßnahmen

Rechtliche Flexibilität erhöhen

  • Anpassung von Ausbildungs- und Anerkennungsmodellen wie z. B.: flexiblere Ausbildungsdauer
  • bessere Verzahnung von Sprache und Ausbildung

Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstehen

  • Einbindung in Stadtgesellschaft
  • Unterstützung bei Alltagsintegration (Mobilität, Behörden etc.)

Fazit
Internationale Pflegekräfte zu gewinnen ist machbar – sie erfolgreich zu integrieren erfordert jedoch ein Zusammenspiel aus Organisation, Haltung, Ressourcen und politischen Rahmenbedingungen.